WikiDer > Philipp Reis
Johann Philipp Reis (Gelnhausen, 7. Januar1834 – Friedrichsdorf, 14. Januar1874) war ein deutscher Physiklehrer, der als Erfinder des ersten funktionierenden Gerätes zur Übertragung von Schall über eine elektrische Verbindung gilt. Der Name dieses Geräts, Telefon, kommt von ihm.
Biografie
Reis, jüdischer Abstammung, verlor in jungen Jahren beide Eltern und wurde von seiner Großmutter väterlicherseits aufgezogen. Im Alter von zehn Jahren besuchte er das Garnier-Institut in Friedrichsdorf, wo er Mathematik, Physik, Chemie und Fremdsprachen wie Englisch und Französisch lernte.
1850 wurde der damals sechzehnjährige Reis Lehrer an einer Volksschule in Friedrichsdorf. Er war Autodidakt und setzte sein Studium mit Privatunterricht in Physik fort. 1852 äußerte er erstmals seine Idee, mit Hilfe von Elektrizität Schall zu erzeugen.
Nach seinem Militärdienstjahr 1855 in Kassel ging er nach Frankfurt, um sich durch Privatstudien und öffentliche Vorlesungen als Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften zu qualifizieren. Sein Plan war es, seine Ausbildung an der Universität Heidelberg, aber im Frühjahr 1858 besuchte er seinen alten Freund und Hauslehrer Hofrath Garnier, der ihm eine Stelle in seiner Schule anbot.
Am 14. September 1859 heiratete Reis und reiste kurz darauf nach Friedrichsdorf ab, wo er seine neue Laufbahn als Lehrer am Institut Garnier begann.
Telefonie
Bereits in den 1850er Jahren begann Reis mit Klang und Elektrizität zu experimentieren. Er wollte seinen Schülern die Übertragung von Schallwellen in Elektrizität anhand von Holzmodellen zeigen. In einer selbstgebauten Werkstatt in einem Schuppen im Hinterhof und mit kleinem Budget begann er mit der Arbeit an den Holzbauteilen, die später das erste Telefon werden sollten. Reis ließ sich von der Konstruktion des menschlichen Ohrs leiten.
Er baute als erster eine „Sprachmuschel“: einen Platinstreifen auf einer Membran, der über die Öffnung eines hölzernen Ohrhörers gespannt wurde. Auf der Rückseite war eine Feder angebracht, die wie der Streifen mit einer Batterie verbunden war. Durch die Geräuschentwicklung vor dem hölzernen Hörer begann die Membran zu vibrieren und öffnete und schloss einen Stromkreis zwischen den beiden Metallteilen – im Rhythmus der Klangschwingungen.
Die erzeugten Signale schickte er über ein elektrisches Kabel an den Empfänger, einen Kasten mit einer Spule mit isoliertem Kupferdraht. Sobald die elektrischen Ströme die Spule erreichten, baute sie ein Magnetfeld auf. Diese Magnetfelder setzen eine in der Schachtel montierte Stricknadel in Bewegung. Diese singende Nadel erzeugte die Schwingungen, die in der Holzkiste verstärkt wurden. Die Box funktionierte als Soundbox.
Nach vielen Versuchen erreichte Reis 1860 eine erfolgreiche Phase. Er organisierte eine öffentliche Vorführung bei sich zu Hause, bei der er von seinem Schwager ein Buch in das Sprachrohr vorlesen ließ und dem Publikum vortrug, was er in der Hupe hörte. Ein Kollege wandte ein, er habe das Buch möglicherweise auswendig gelernt und sei selbst am Sprachrohr gestanden. Er sprach einige erfundene Sätze wie "Die Sonne ist von Kupfer" und "Das Pferd frißt keinen Gurkensalat". Reis verstand nicht genau, was das Pferd nicht aß (Gurkensalat) und dachte, die Sonne sei aus Zucker (Zucker), aber der Kollege war trotzdem überzeugt.[1] Der Versuch war erfolgreich.
Nach monatelanger Arbeit hatte Reis sein Gerät so weit verbessert, dass er am 26. Oktober 1861 der Physikalischer Verein in Frankfurt. Sein Vortrag über Das Telefonieren durch galvanischen Strom löste nicht die erhoffte Begeisterung aus. Obwohl sein Gerät Ton, insbesondere Musik, übertragen konnte, waren gesprochene Wörter schwer zu verstehen. Auch deshalb war seine Erfindung kein kommerzieller Erfolg.
Letzten Jahren
Als sich sein körperlicher Gesundheitszustand verschlechterte, wurde es für ihn immer schwieriger, zu unterrichten und sich seinen wissenschaftlichen Studien zu widmen. Aufgrund einer rapide nachlassenden Lungenkapazität konnte er ab 1872 kaum noch sprechen und musste seinen Beruf aufgeben. Anfang 1874 starb er im Alter von 40 Jahren an den Folgen von Tuberkulose.
Reis hat seine Erfindung nie weiterentwickelt. In seinem kurzen Leben hatte er eine bemerkenswerte Leistung vollbracht, die ihm keinen Reichtum und wenig Ruhm eingebracht hatte.
Quellen, Anmerkungen und/oder Verweise
|
| Siehe die Kategorie Philipp Reis von Wikimedia Commons für Mediendateien zu diesem Thema. |