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Geert Bekaert (Kortrijk, 9. April1928 – Granatwerfer11. September2016) war ein BelgierKunst- und Architekturkritiker, Theoretiker und Historiker. Ab 1950 verfasste er über 1000 Artikel und Texte über bildende Kunst und Architektur, in Zeitschriften, in Zeitungen und in Büchern.[1]
Biografie
Kurz nach dem Zweiter Weltkrieg, 1946 trat Bekaert der Gesellschaft Jesu. Bei der Jesuiten er belegte Kurse in klassischer Musik Philologie, Kunstgeschichte, Theologie und Philosophie. 1950 debütierte er mit einem Text über das Werk eines Bildhauers Bert Servaes im Die Linie, eine Zeitschrift, die in belgisch-niederländischer Zusammenarbeit von der Societas Jesu herausgegeben wurde.
Bekaert veröffentlichte weiterhin über Kunst und Architektur in Die Linie, genau wie in Bemühen oder Der neue Leitfaden, andere belgische Nachkriegszeitschriften, deren Redaktion hauptsächlich aus jesuitischen Intellektuellen bestand.
1958 kuratierte Bekaert die Ausstellung Ars Sacra in der Peterskirche in Löwen, in Zusammenarbeit mit Kunst- und Designkritiker K. N. Elno. Bis in die 1960er Jahre war er dann maßgeblich an der Diskussion und Theoriebildung über säkularisierte Kunst einerseits und neue, moderne Kirchenarchitektur andererseits beteiligt. Er veröffentlichte das Buch zum ersten Thema 1966 Puppe. Das Wesen der Kunst, herausgegeben von der Davids-Fonds; sein erstes großes Buch über Kirchenbau wurde im Verlag veröffentlicht Lannoo 1967 unter dem Titel In irgendeinem Haus. Kirchenbau an einem Wendepunkt.
Inzwischen war Bekaert als Lehrer an verschiedenen Akademien, Colleges oder Universitäten in der In Benelux - eine Aufgabe, die er bis in die 1990er Jahre erfüllen würde. Bekaert lehrte unter anderem an der Akademie für Architektur im Amsterdam, das Technische Universität Delft, der Limburger Architekturakademie in Maastricht, das Nationale Höhere Institut für Architektur und Stadtplanung in Antwerpen, das Technische Universität Eindhoven und der Katholische Universität Löwen.
1971 kuratierte er die Wanderausstellung Gebäude in Belgien 1945-1970, die erstmals ein kritisches und umfassendes Bild der Architekturproduktion der Nachkriegszeit in Belgien lieferte. Im begleitenden Katalog hat Bekaert zusammen mit dem Architekten Francis Strauven die Landschaft der belgischen Architektur als verdrängtes, aber besonderes und oft hochwertiges Realisierungsfeld.
1972, nach seinem Ausscheiden aus der Societas Jesu, wurde Bekaert Kurator für Architekturpublikationen beim Verlag Lüttich-Paris Pierre Mardaga. Unter seiner Leitung wurden französische Übersetzungen von zeitgenössischen und historischen Autoren veröffentlicht.
1988 wurde Bekaerts Oeuvre erstmals umfassend ausgezeichnet: Für sein neuestes Buch zum Kirchenbau, Landschaft der Kirchen, erhielt er sowohl den Preis für den Essay der Provinz Antwerpen als auch den Preis für die Zeitung Der Standard für das beste Buch. Im selben Jahr erhielt er die Rotterdam-Maaskant-Preis, die wichtigste Auszeichnung, die einem architektonischen oder architekturtheoretischen Werk in den Niederlanden verliehen werden kann.
Von 1967 bis 1989 machte Bekaert mit dem belgischen Regisseur Jef Cornelis mehrere Filme für den öffentlich-rechtlichen belgischen Fernsehsender, wie der allererste Dokumentarfilm über den niederländischen Architekten Rem Koolhaas und sein Schreibtisch Büro für Metropolitan Architecture, ausgestrahlt von der BRTN 1985.
Anfang der 1990er Jahre war Bekaert zur Blütezeit des Architekturmagazins noch Chefredakteur Archis, wurde 1988 Präsident der Innenstiftung in Kortrijk. 1998 wurde er zum Universität Gent mit der Ehrendoktorwürde geehrt. 1999 wurde er kommissarischer Präsident der neu gegründeten Flämisches Architekturinstitut. 2002 wurde ihm der Frank Devienne Auszeichnung für sein Lebenswerk. 2008, zu seinem 80. Geburtstag, wurde der vierte Teil der Gesammelte Entwürfe von Geert Bekaert, unter dem Titel Die Kurvenstraße. 2009 wurde Bekaert für den CultuurPrijs Vlaanderen in der Kategorie Architektur nominiert.
Im Jahr 2006 erwarb die UGent die komplette Bibliothek mit Archiven (ca. 20.000 Titel) von Bekaert. Dieses Archiv war in der neu eingerichteten Fakultätsbibliothek für Ingenieurwissenschaften und Architektur untergebracht.[2]
Thema
Bekaerts erste Texte und Bücher standen noch mehr oder weniger in einem explizit religiösen Kontext. Offen wurde die Frage gestellt, wie Kunst, Liturgie und Kirchenbau in einer modernen, säkularisierten Welt noch möglich seien. So entwickelte Bekaert den Begriff der "Wohnkirchen", in denen sich die Gemeinde mit Hilfe moderner Architektur radikal vereinen konnte. Auch die bildende Kunst wurde von Bekaert für die 1960er Jahre in ein so kritisches und fortschrittliches Licht gerückt.
Seit den 1970er Jahren konzentriert sich Bekaert zunehmend, aber nicht ausschließlich, auf die Architektur. In einer Mischung aus einem sehr kritischen Spätmarxismus (unter anderem beeinflusst vom italienischen Architekturtheoretiker Manfredo Tafuric) und eine Ästhetik, die auf das Vergnügen der architektonischen Lektüre abzielt (angetrieben von der Arbeit von Roland Barthes) unterzieht Bekaert sowohl belgische als auch internationale Architektur einer Analyse und Kritik. Vor allem die zahlreichen Illusionen oder Interferenzen, die den Entwurfsprozess beeinflussen oder lenken können und die Architektur daran hindern, ihr Eigen zu sein.
In dem die 80er, die Ära der Blüte Postmodernismus, Bekaert schreibt dazu seinen Schlüsseltext Architektur ohne Schatten. Das Problem der Erbe und der Denkmalpflege, und die oft sehr schwere Bürde der Vergangenheit, wird zunehmend auch ein wichtiger - und sehr polemischer - Teil seiner Arbeit.
Auch die belgische Architektur reift langsam heran und es entsteht eine Generation junger, hemmungsloser und mutiger Architekten – ein von Bekaert geförderter Trend, der ein Klima schafft, das er mit dem der Jugendstil von dem fin de siecle. In dieser Zeit prägte Bekaert auch den Begriff des 'Platitüde des Poesie“, was darauf hinweist, dass Architektur immer sehr banale oder klischeehafte Elemente enthält, die später zu einem poetischen Ereignis erhoben werden.
In dem die 90er blüht die Autonomie der nationalen und internationalen Architektur immer offener werden - was zu ganz besonderen und poetischen Texten von Bekaert führt, über verschiedene architektonische Realisierungen von Architekten aus aller Welt. Bekaert betont jedoch auch weiterhin die Kehrseiten des Erfolgs der Architektur, wie die Einmischung der Regierung oder die Verschiebung von der Mittelmäßigkeit in die früher als höchste Klasse angesehene Klasse.
Geert Bekaerts Werk lässt sich nur schwer auf eine dominante Bewegung reduzieren. Seit den 1950er Jahren ist seine Theorie und Kritik des Todes der Ideengeschichte höflich und kommentiert - Modernismus, Postmoderne, Marxismus, Existentialismus, Strukturalismus und Poststrukturalismus werden diskutiert, aber immer als vergängliche Moden auf zeitlose, fast klassische Weise betrachtet.
Bekaert bezog sich oft auf die Arbeit von Dichtern oder Schriftstellern wie (Paul Celan, Bataille oder Valery) oder von Philosophen (Hegel, Heidegger oder Derrida). Es ist jedoch sowohl die Alltagserfahrung des Bewohners bzw.
Hauptpreise
- 1988: Rotterdam-Maaskant-Preis
- 1998: Ehrendoktorwürde UGent
- 2002: die Frank Devienne Auszeichnung für sein Lebenswerk
Bibliographie (Auswahl)
- Puppe. Das Wesen der Kunst, Horizont-Serie Nr.2, Davids-Fonds, Löwen, 1966.
- Das Ende der Architektur, Limburg Akademiker Bibliothek, Postgraduiertenzentrum Limburg, Hasselt, 1967.
- In irgendeinem Haus. Kirchenbau an einem Wendepunkt, Lannoo, Tielt/Den Haag, 1967.
- 'Architekt und Architektur', in: TABK, Nr. 1, Januar 1970, pp. 12–15.
- Gebäude in Belgien 1945-1970 oder La Construction in Belgien 1945-1970, (mit Francis Strauven), Ausstellungskatalog, National Confederation of Construction, Brüssel, 1971.
- Charles Vandenhove, Mardaga, Brüssel, 1976.
- »Das Alibi der Architektur. Bob Van Reeth', im: Forum XXVI, Nr. 3 (Themenheft Bob Van Reeth), 1977, S. 4–22.
- A la Detektiv de Violet-le-Duc, mardaga, Lüttich, 1980.
- „Recht auf Architektur“, in: Wohn-TA/BK, Nr. 4, Februar 1981, pp. 9–17.
- 'Das Odyssee eines aufgeklärten Unternehmers. Rem Koolhaas', im: Wohn-TA/BK, Nr. 13–14, Juli 1982, S. 50–57.
- „Wer über Architektur reden will, steht auf und schweigt. Gedanken eines Außenstehenden; Außenstehende haben leichtes Sprechen', in: Wohn-TA/BK, Nr. 11, Juni 1983, pp. 10–27.
- Architektur Liber XI. Cogels-OsyleiAntwerpen. Architekturparade, mardaga, Lüttich, 1984.
- Aldo Rossic. Das Analogon einer proletarischen Architektur, Fleisch & Beton, Nr. 6, Mecheln, 1986.
- Landschaft der Kirchen. 10 Jahrhunderte Bauen in Flandern, Standard-Publisher, Antwerpen; Davids-Fonds, Löwen, 1987.
- „Belgische Architektur als Gemeinplatz. Das Fehlen einer architektonischen Kultur als Herausforderung, Archis, Nr. 9, Sept. 1987, pp. 10–11.
- Architektur ohne Schatten/Architektur ohne Schatten, 010Publisher, Rotterdam, 1988.[3]
- SeehandelszentrumZeebrügge, Standaard Uitgeverij, Antwerpen, 1990.
- »Die Realität des Diskurses. Eupalinos ou l'architecte', in: OASE, Nr.40, poiesis und Architektur, Sommer 1994, Verlag NAi, Rotterdam.[4]
- Zeitgenössische Architektur in Belgien, Lannoo, Tielt, 1995.
- "Coda Prosa: Ulysses, Le Savon, Die Göttliche Komödie, Aischylos", BRTN, 1995.[5][6][7][8]
- Die Unbeholfenheit von André Verroken, Herausgeber Carto, Brüssel, 1998.
- Stephane Beel Architekt, ludion, Gent-Amsterdam, 1999.
- AWG Bob Van Reeth Architekten, ludion, Gent-Amsterdam, 2000.
- Maarten Van Severen, ludion, Gent-Amsterdam, 2000.
- Xaveer De Geyter Architekten 12 Projekte, ludion, Gent-Amsterdam, 2001.
- Eine Reise nach Japan, Fleisch & Beton, Nr. 58-59, Architektur- und Ingenieurpresse der Universität Gent, Gent, 2002.
- „Der faszinierende Anfang“, in: Der weiße Rabe, Nr. 132, März-April 2008, pp. 1-3.[9]
- 'Renaat Braem 1910 2001/2010', in Der weiße Rabe, Nr.148, November-Dezember 2010, pp. 4–5.[10]
- Das Gesammelte Aufsätze van Geert Bekaert besteht derzeit aus neun Teilen.
- Teil 1, Trittsteine. 1950-65, gemeinnützige Stiftung Stiftung Denkmal- und Landschaftspflege, Brüssel, 1985. (Herausgeber: Mil De Kooning und Herman Stynen.)
- Teil 2, Lose im Raum. 1966-1970, Non-Profit-Organisation Stichting Monumenten- en Landschapszorg, Brüssel, 1986. (Herausgeber: Mil De Kooning und Herman Stynen.)
- Teil 3, hier entlang. 1971-1980, 2007.
- Teil 4, Die Kurvenstraße. 1981-1985, 2008.
- Teil 5, Ohne jede Spur. 1986-1990, 2008.
- Teil 6, Bleiben Sie nirgendwo. 1991-1995, 2009.
- Teil 7, Versteck. 1996-2000, 2009.
- Teil 8, Bekennen. 2001-2005, 2010.
- Teil 9, Weinflecken. 2006-2010, 2012.
(Redaktionelle Teile 3 bis 9: Christophe Van Gerrewey und Mil De Kooning, erschienen in der Reihe Fleisch & Beton durch WZW Editionen & Produktionen, Gent.)
Teil 1 und 2 können online eingesehen werden unter DBNL.org und DBNL.be.
Ende 2011 erschien eine englischsprachige Anthologie unter dem Titel Verwurzelt im Realen. Schriften zur Architektur, mit Christophe Van Gerrewey als Herausgeber, herausgegeben von WZW Editionen & Produktionen, Gent, und verteilt von Ausstellungen International, Löwen. 2015 wurde Christophe Van Gerreweys Dissertation über das Werk von Geert Bekaert bei A&S/books, Gent, veröffentlicht: Architektur, ein Handbuch. Theorie, Kritik und Geschichte seit 1950 nach Geert Bekaert.
Sekundärbibliographie
- Christophe Van Gerrewey, Architektur, ein Handbuch. Theorie, Kritik und Geschichte seit 1950 nach Geert Bekaert, A&S/Bücher, Gent, 2015.[11]
- Gideon Boie, 'Glaubensbekenntnis der flämischen Architektur', in: Unser Erbe, Nr. 4, 2012.[12]
- Christophe Van Gerrewey, Véronique Patteeuw, „Architektur kann nicht anders, als sich auszustellen. Im Gespräch mit Geert Bekaert', in: OASE, Nr. 88, Oktober 2012, pp. 108–112.[13]
- Christophe Van Gerrewey, 'Ein Plan in den Sternen geschrieben. Gespräch mit Geert Bekaert über die Postmoderne in der Architektur“, in: Der weiße Rabe, Nr.155, Januar 2012, pp. 10–11.[14]
- Christophe Van Gerrewey, 'Eine Disziplin ohne Land. Geert Bekaert und das nationale Gebäude in Belgien', in: Bemühen, März 2011, S. 257–261.
- Arjen Oosterman, 'Geert Bekaert sammelt', Archined, 17. Februar 2009.[15]
- Christophe Van Gerrewey, 'Das bibliographische Universum von Geert Bekaert', in: ein , Nr. 212, Juli 2008.
- Geert Van der Speeten, 'Als Architektur ein Schimpfwort war', in: Der Standard, 18.04.2008.[16]
- Pieter Uyttenhove, „Zeitgenössische Architektur in Belgien“, in: Archis, Nr. 10, 1996, pp. 81–82.
- Steven Jacobs, „Zeitgenössische Architektur in Belgien“, in: Der weiße Rabe, Nr. 60, März 1996.[17]
- Hilde Heynen (Hrsg.), Leben zwischen Plattitüde und Poesie, 010 Verlage, Rotterdam, 1993.
- Marc Dubois, 'Geert Bekaert, Architekturkritiker und Essayist', in: Unser Erbe, Nr. 3, 1989, pp. 412–413.
- Georges Ade, 'Auf ein Vermächtnis aufpassen. Landschaft der Kirchen“, in: Bemühen, Nr. 10, 1989, pp. 833–844.
- Bart Verschaffel, 'Geert Bekaert, Essayist und Architekturkritiker', in: Piet Thomas (Hrsg.), Kortrijk und moderne niederländische Literatur, Lannoo, Tielt, 1988.
- Carel Blotkamp, 'Gesammelte Aufsätze', in: Archis, Nr. 7, 1987, pp. 54–55.
- Bart Verschaffel, 'Kunst, Architektur, Kritik. Die gesammelten Essays von Geert Bekaert', in: Bemühen, Nr. 8, Mai 1987, pp. 725–741.
- Raoul Bauer, 'Geert Bekaerts Vision von Kunst und Gesellschaft', in: Unser Erbe, Nr. 3, 1986, pp. 443–445.
- Mil De Kooning, 'Die mobile Wahrheit', in: Trittsteine. 1950-1965, Non-Profit-Organisation Stichting Monumenten- en Landschapszorg, Brüssel, 1985.
- Ann Lorenz van Zanten, „A la recherche de Viollet-le-Duc“, in: Die Zeitschrift der Gesellschaft für Architekturhistoriker, Nr. 2, Mai 1982, pp. 160–161.
Externer Link
Quellen, Anmerkungen und/oder Verweise
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